Wenn bei medizinischen Untersuchungen Röntgenstrahlen zum Einsatz kommen,
entsteht oft beim Patienten die Frage, ob durch diese Strahlenbelastung für
ihn ein gesundheitliches Risiko entsteht. Hierzu muss man zunächst einmal
wissen, dass alle Menschen, unabhängig von medizinischen Untersuchungen oder
den besonderen Umstände ihres Berufes, einer unvermeidlichen, sogenannten
"natürlichen" Strahlung ausgesetzt sind, die überwiegend aus dem
Erdboden, der kosmischen Strahlung, den Baumaterialien in den Wänden unserer
Häuser, der Luft und den Nahrungsmitteln stammt.
Wenn man sich über mögliche schädliche Wirkung von Röntgenstrahlen im
Zusammenhang mit medizinischen Untersuchungen Gedanken macht, muss man
zunächst einmal fragen, ob durch die Röntgenstrahlung eine direkte,
unmittelbar schädigende Wirkung auf die Körperorgane möglich ist.
Eine solche Schädigung ist bei den Strahlenmengen, die in der diagnostischen Radiologie angewendet werden, ausgeschlossen.
Die zweite Überlegung ist, ob durch die Röntgenstrahlen eine Veränderung des
Erbguts einzelner Zellen ausgelöst werden kann mit der Folge, dass der
Patient, möglicherweise erst nach mehreren Jahrzehnten, an Krebs erkrankt.
Es wird allgemein angenommen, dass dies möglich ist und es gibt entsprechende Abschätzungen dazu, wie hoch das Risiko einer Krebsentstehung,
zum Beispiel durch eine computertomographische Untersuchung des Brustkorbes,
ist. Diese Abschätzungen beruhen vor allem auf Modellannahmen und Erkrankungen im Zusammenhang mit hohen beruflichen
Strahlenexpositionen, Strahlenunfällen und insbesondere Erkrankungen im Zusammenhang mit den Atombomben-Abwürfen in
Hiroshima und Nagasaki während des zweiten Weltkrieges. In wie weit
solche Ergebnisse sich auf die Bedingungen bei diagnostischen
Röntgenuntersuchungen übertragen lassen, ist auch unter Experten umstritten, auch wenn in der letzten Zeit große Studien zum Beispiel an Skoliosepatientinnen erste Indizien für die prinzipielle Richtigkeit dieser Annahmen nahe legen.
Ob jemals ein Patient als Folge einer medizinischen Untersuchung mit Röntgenstrahlen an Krebs erkrankt ist, ist noch nicht endgültig bewiesen,
auch wenn die gängige Lehrmeinung dies nahelegt.
Dass vierzigtausend Menschen jedes Jahr in Deutschland an Lungenkrebs sterben, ist dagegen keine Hypothese, sondern eine Tatsache. Dies sollte man
bedenken, wenn z. B. eine Computertomographie des Brustkorbes zum Ausschluss
von Lungenkrebs durchgeführt werden soll, da aufgrund der individuellen gesundheitlichen Situation
des Patienten diese Untersuchung notwendig erscheint.
Es wird angenommen, dass das Risiko durch eine solche Röntgenuntersuchung
des Brustkorbes irgendwann einmal an Krebs zu erkranken etwa 1:1000 oder 0,1% beträgt. Das klingt zunächst beunruhigend, man könnte sagen, eine Chance
von 1:1000 durch die Untersuchung an Krebs zu erkranken ist mir viel zu
hoch! Diese Zahl erscheint aber in einem ganz anderen Licht, wenn man weiß,
dass das allgemeine Risiko an Krebs zu erkranken, ganz
unabhängig von Röntgenuntersuchungen oder anderen Strahlenbelastungen, 1:2,5 bzw. 40 % beträgt und das Risiko daran zu sterben 20% ! !Anders ausgedrückt: Durch eine Computertomografie der Lunge
erhöht sich das Risiko an Krebs zu sterben von 20 % auf 20,05 %. !
Rauchen allein erhöht bereits das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken um 60% !
Man muss bei Untersuchungen mit Röntgenstrahlen also immer im Einzelfall für
jeden Patienten das mögliche Risiko für den Patienten abwägen gegen den zu erwartenden Nutzen der Untersuchung. Wenn
eine Untersuchung mit Röntgenstrahlen oder, wissenschaftlicher ausgedrückt,
mit so genannten ionisierenden Strahlen, durchgeführt werden soll, ist
natürlich ganz wichtig, dass man die Belastung durch die Röntgenstrahlung
für den Patienten möglichst gering hält. Dies geschieht einerseits durch
technische Vorraussetzungen am Untersuchungsgerät sowie individuell durch
Anpassung des Untersuchungsablaufes an die Gegebenheiten des einzelnen
Patienten. In vielen Fällen können computertomographische Untersuchungen in so genannter "Low-dose-Technik", das heißt unter Anwendung einer geringen Strahlungsmenge, durchgeführt werden, ohne dass die Aussagekraft der Untersuchung hierunter wesentlich leidet.
Text: Diagnoseklinik München und GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit,
Neuherberg